115 Jahre jung

09.01.2017

Am 10.01.1902 wurde der "Wohnungsverein der Preußischen Staatseisenbahnbeamten zu Cottbus e.G.m.b.H" in das Genossenschaftsregister eingetragen. ... dieser Tag kennzeichnet den Beginn des genossenschaftlichen Wohnens in Cottbus und gilt als Geburtstag der heutigen eG Wohnen.

Geschichtlicher Abriss eG Wohnen 1902

07.12.1901
47 Eisenbahnbeamte folgten der Einladung eines „Ausschusses zur Gründung eines Wohnungsvereins der Preußischen Staatseisenbahnbeamten zu Cottbus“

10.01.1902
Gründung des „Wohnungsvereins der Preußischen Staatseisenbahnbeamten zu Cottbus e.G.m.b.H.“ und Eintragung in das Genossenschaftsregister. Dieser Tag gilt als Geburtstag der eG Wohnen 1902.


1903 - 1905
Als erste Objekte wurden 1903/04 die Räschener Straße 6,7 und 8 fertig gestellt. 1905 folgten die Vetschauer Straße und die Räschener Straße 2 bis 5. Innerhalb von 3 Jahren wurden 6 Häuser mit insgesamt 36 Wohnungen gebaut.

21.12.1908
Nicht nur Angestellte der Preußischen Staatseisenbahn interessierten sich für preiswerten Wohnraum, sondern zunehmend auch andere Berufsgruppen, daher erfolgte die Namensänderung in „Wohnungsverein zu Cottbus, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht, Cottbus“.


30.12.1908
Gründung des zweiten Wohnungsvereins in Cottbus, dem Beamten-Wohnungs-Verein, mit Eintragung in das Genossenschaftsregister.

1909 – 1918
Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden weitere Häuser fertig gestellt. Es entwickelte sich ein regelrechter Bauboom. Während des Krieges hemmte die zunehmende Knappheit an Material und Arbeitskräften jede weitere Bautätigkeit. Außerdem wurden Mietrückstände zunehmend zum Problem.

1919 – 1925
Nach Ende des Ersten Weltkrieges verbesserte sich die Situation nur langsam. Der fehlende Wohnungsbau während des Krieges steigerte zunehmend die Wohnungsnot, vor allem stieg der Bedarf an Mittel- und Kleinwohnungen. Erst ab 1924 gab es wesentliche Verbesserungen im gemeinnützigen Wohnungsbau durch die Einführung der „Hauszinssteuer“, einer staatlichen Subventionierung des Wohnungsbaus.

06.09.1926
Die „Gemeinnützige Wohnungsbau Genossenschaft e.G.m.b.H.“ (Gewoba) wurde in das Genossenschaftsregister eingetragen. Etwa 75 % der Mitglieder waren Arbeiter, 1929 zählte die Genossenschaft bereits mehr als 300 Mitglieder.

1926 – 1933
Mitte der 1920er Jahre stieg die Bautätigkeit des Cottbuser Wohnungsvereins wieder an. Bis 1928 entstanden 18 Häuser mit 114 Wohnungen. Auch der Beamten-Wohnungs-Verein baute in den 1920er Jahren weitere Wohnungen.

24.04.1933
Bereits wenige Wochen nach der Errichtung der NS-Herrschaft erfolgte mit der „Gleichschaltung der deutschen Bauvereinsbewegung“ ein entscheidender Eingriff in die demokratisch strukturierten Baugenossenschaften. Mit der Gleichschaltung wurde die Zahl der Vorstandsmitglieder auf 3 beschränkt und an die Stelle der demokratischen Entscheidungen trat das Führerprinzip.


16.03.1935
Aus Propagandagründen wurde 1935 die „Wohnungsbau der Werktätigen e.G.m.b.H.“ gegründet, die 1937 in „Gemeinnütziger Wohnungsbau der Werktätigen e.G.m.b.H.“ umbenannt wurde.

1933 – 1945
In den 1930er Jahren wurden so mehrere Bauten errichtet, z. B. die Häuser 1 bis 21 in der Warschauer Straße. Bis 1939 bauten die Genossenschaften insgesamt 1600 Wohnungen. Außerdem wurden ältere Wohnungen saniert. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges konnten jedoch keine weiteren Bauvorhaben mehr realisiert werden. Ab 1941 gab es eine Meldepflicht bei Neuvermietungen.

15.02.1945
Ein schwarzer Tag für Cottbus. Amerikanische Bomben zerstörten vor allem das Bahnhofsgelände und den Süden der Stadt, einzelne Bomben fielen auch im Stadtzentrum und im Osten. Ca. 1000 Opfer waren zu beklagen. Außerdem wurden 356 Wohnhäuser zerstört und ca. 3600 Wohnungen beschädigt.


10.06.1945
Die sowjetische Besatzungsmacht gestattete die Wiedergründung demokratischer Parteien und Organisationen unter Aufsicht und Kontrolle der Kommandantur. Bei Wohnungsbaugenossenschaften durften ehemalige Angehörige der NSDAP oder anderer NS-Organisationen nicht mehr als Mitglieder der Vorstände und Aufsichtsräte tätig sein.

1946-1949
Nach dem Zweiten Weltkrieg bot Cottbus ein Bild der Zerstörung. Durch den Krieg waren von den 18000 Wohnungen 5800 total zerstört. Nur ca. 40 % aller Wohnungen hatten den Krieg unbeschadet überstanden. Infolge dieser Zerstörungen und des Zuzugs der Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten herrschte eine gravierende Wohnungsnot. Jedoch konnten viele notwendige Instandsetzungsarbeiten wegen Materialmangel und fehlender Handwerker nicht realisiert werden.

07.01.1949
Im Rundschreiben der Landesregierung Brandenburg wurde festgelegt, dass die Grundstücksverwaltung ab sofort von der örtlichen Verwaltung übernommen wird. Die Genossenschaften wurden enteignet.


1949 – 1989
Ab 1953 wurde von staatlicher Seite die Gründung von Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften (AWG) zugelassen, um die Wohnungssituation zu entschärfen. Dazu zählte auch die AWG „Große Initiative“ in Cottbus. Bis Ende der 1950er Jahre wurden zudem die zerstörten Grundstücke entrümpelt und instandgesetzt, sodass wieder neue Wohnungen geschaffen werden konnten. Die letzten Ruinen, darunter z. B. die Räschener Straße 36, verschwanden Anfang der 1960er Jahre.
Weiterhin gab es mehrere Zusammenschlüsse. So schlossen sich alle seit 1956 gegründeten AWGs zur AWG „Stadt Cottbus“ zusammen. 1976 folgten die GWG der Werktätigen, GWG „Eigenes Heim“, GWG Cottbus Süd und GWG Cottbus Ost. Einzig die Gewoba bewahrte – im Gegensatz zu den übrigen GWGs – bis 1981 ihre Selbstständigkeit.
Die AWG „Stadt Cottbus“ verfügte 1976 über 8828 Mitglieder und 8606 Wohnungen. Jedoch gab es vor allem in den 1970er und 80er Jahren drastische Materialprobleme, viele der bestellten Artikel wurden nicht oder zu wenig geliefert. Außerdem gab es Schwierigkeiten mit der Wärmeversorgung. Weiterhin waren die Gebäude der ehemaligen GWGs im Schnitt älter als 50 Jahre, weshalb größere Reparatur- und Erhaltungsmaßnahmen notwendig waren.
Im März 1989 zählte die AWG insgesamt 16920 Wohnungen und 16861 Mitglieder, womit sich die Anzahl seit 1976 verdoppelt hatte. Diese Zahlen verdeutlichen den umfangreichen sozialen Wohnungsbau in den 1970er und 80er Jahren.

24.03.1990
Durch den gesellschaftlichen Umbruch im Herbst 1989 in der DDR beschäftigte sich der Vorstand der AWG mit Umstrukturierungen. Vorstandsmitglieder erhoben erstmals Forderungen nach einer Überprüfung des Genossenschaftsrechts. Am 24.03.1990 wurde die Namensänderung in GWG „Stadt Cottbus“ – Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft beschlossen.


01.01.1994
Die AWG „Burg/Spreewald“ wurde in Zeiten der allgemeinen Wohnungsnot 1960 gegründet. Durch die neuen Gesetze 1990 war der Vorstand nicht mehr in der Lage, die GWG „Burg/Spreewald“ ehrenamtlich weiterzuführen, weshalb es 1994 zur Verschmelzung der GWG „Burg/Spreewald“ mit der GWG „Stadt Cottbus“ kam.

1990 – 1999
Anfang der 1990er Jahre kam es für die GWG hauptsächlich darauf an, die Voraussetzungen für die Anpassung an das bundesdeutsche Genossenschaftsgesetz und für die Arbeit unter den ungewohnten marktwirtschaftlichen Bedingungen zu schaffen. Jedoch blieb die GWG ihrer fast 90-jährigen Geschichte treu: eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung der Mitglieder der Genossenschaft.
Es wurden Stellen für Hauswarte als Ansprechpartner zu Fragen der Mängel- und Schadensbeseitigung geschaffen. Außerdem waren bis Ende 1994 alle genossenschaftlichen Wohnungen mit einem einwandfreien TV-Empfang ausgestattet. Jedoch gab es eine große Diskrepanz zwischen den steigenden Gebühren, den fälligen Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten und den Mieten von ca. 1 DM pro m², weshalb es in den 1990er Jahren zu starken Mieterhöhungen kam. Im Jahr 1995 gab es bspw. eine Erhöhung um 15 %.
Bis Ende der 1990er Jahre investierte die GWG „Stadt Cottbus“ außerdem ca. 5 Mio. DM in Grünflächen, um ein attraktives Wohnumfeld zu schaffen. In den Wohnungsbestand investierte die GWG von 1990 bis 1998 jedoch fast 500 Mio. DM.

15.11.1996
Für die Sanierung des Plattenbautyps (P2) wurde die GWG „Stadt Cottbus“ mit dem Brandenburgischen Bauherrenpreis 1996 ausgezeichnet. Weitere Bauherrenpreise folgten in den Jahren 1997, 1999, 2000 und 2003.


2000 – 2011
Auch in den 2000er Jahren folgten weitere Modernisierungsarbeiten und Neubauten. Im Jahr 2004 wurden bspw. 18 Wohnhäuser mit mehr als 600 Wohnungen in der Spremberger Vorstadt modernisiert. 2008 wurden mehrere Photovoltaikanlagen auf Gebäuden der Genossenschaft errichtet. Außerdem wurde im Jahr 2010 mit der Modernisierung der Villa am Ostrower Damm begonnen.

24.05.2011
Aus GWG „Stadt Cottbus“ wird „eG Wohnen 1902“! Die Namensänderung wird in das Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Cottbus eingetragen.


seit 2011
Heute verfügt die eG Wohnen 1902 über einen Bestand von ca. 10000 Wohnungen in Cottbus sowie in Burg/Spreewald und ist damit die größte Wohnungsgenossenschaft in Brandenburg. Das Wohnungsangebot erstreckt sich von sanierten Altbauten bis zu innovativen Neubauten sowie vom Single-Apartment bis zur geräumigen 5-Zimmer-Familienwohnung. Auch aktuell werden mehrere Neubauten errichtet, wie z. B. in der Bautzener Straße, Pestalozzistraße und Ottilienstraße.

10.01.2017
115 Jahre jung – eine Genossenschaft mit Tradition und Innovation.